Land / Sprache
Land ändern
Wählen Sie ein anderes Land oder eine andere Region, um Inhalte zu sehen, die für Ihren Standort spezifisch sind.
Wählen Sie Ihre Sprache
Middle aged woman talking to a male colleague
Pressemitteilung

Boomer gehen in Rente – und ihr Wissen geht mit

Deutschlands Boomer gehen mit großen Schritten auf die Rente zu. Bis 2039 erreichen oder überschreiten rund 13,4 Millionen Menschen der Generation der Boomer und Babyboomer das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 ...

Deutschlands Boomer gehen mit großen Schritten auf die Rente zu. Bis 2039 erreichen oder überschreiten rund 13,4 Millionen Menschen der Generation der Boomer und Babyboomer das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. „Mit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben geht viel Wissen verloren, das angesichts des Fachkräftemangels mehr denn je benötigt wird“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bietet mittlerweile die Chance, Erfahrungswissen systematisch zu erfassen, zugänglich zu machen und für nachfolgende Generationen von Beschäftigten verfügbar zu halten. Dennoch: Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) hat keine systematische Strategie, um das implizite Wissen erfahrener Mitarbeiter:innen zu sichern und für rund 50 Prozent der Unternehmen spielt die Automatisierung bei der Kompensation von unbesetzten Stellen keine Rolle. Das ergab eine branchenweite Umfrage von Atradius.  

Die Mehrzahl der Unternehmen bereitet sich jedoch auf den Ernstfall vor. Um das Wissen der Beschäftigten, die in den nächsten drei Jahren in Rente gehen, zu erhalten, setzen knapp 61 Prozent auf die gezielte Einarbeitung von Nachfolger:innen durch die ausscheidenden Expert:innen über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Rund 55 Prozent erstellen Dokumentationen von Prozessen und Erfahrungswerten in internen Systemen. In 36 Prozent der befragten Unternehmen bleiben ehemalige Mitarbeiter:innen als externe Berater:innen oder auf Minijob-Basis für Spezialfragen abrufbar. 

„Die Einbindung von ausscheidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über das Rentenalter hinaus ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Das Unternehmen verliert das über Jahre erarbeitete Wissen nicht und die Rentnerinnen und Rentner bleiben dem Unternehmen verbunden“, sagt Frank Liebold. Weitere Maßnahmen zum Wissenserhalt sind ein generationenübergreifender Austausch zur Weitergabe von implizitem Netzwerk- und Strategiewissen (20 Prozent), die Aufnahme von Arbeitsabläufen oder Erklärvideos durch die Expert:innen selbst (elf Prozent) und strukturierte Abschlussgespräche zur Erfassung von kritischen Erfolgsfaktoren kurz vor dem Ausscheiden. Künstliche Intelligenz spielt bei der Sicherung des Wissens nur eine äußerst geringe Rolle. Lediglich drei Prozent der befragten Unternehmen setzen KI-Tools ein, die aus E-Mail-Verläufen und Dokumenten automatisch Wissenslandkarten erstellen. 

Mitarbeiter:innenbindung zwischen Work-Life-Balance und monetären Leistungen

Der anhaltende „Dauerschmerz“ Fachkräftemangel wirkt sich aber nicht nur auf den Wissenserhalt aus, sondern insbesondere auch auf die Mitarbeiter:innenbindung. Wenn erfahrene Beschäftigte in Rente gehen, verlieren Unternehmen wertvolles Erfahrungswissen – und das in einer Zeit, in der viele Branchen weiterhin unter spürbaren Fachkräfteengpässen leiden. „Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng an das Unternehmen zu binden“, betont Frank Liebold. Die Maßnahmen zur Mitarbeiter:innenbindung konzentrieren sich laut Umfrage dabei besonders auf die Work-Life-Balance und monetäre Leistungen. 

So rangiert an erster Stelle mit knapp 32 Prozent das Angebot von Team-Events (Mehrfachnennungen waren möglich). Auf Platz zwei folgen mit 31 Prozent zwar erfolgsbasierte Boni, doch gleich dahinter folgen Remote-Optionen und Fitness-Angebote (jeweils rund 29 Prozent). Etwa 24 Prozent der befragten Unternehmen stellen Weiterbildungsbudgets bereit, 15 Prozent bieten eine betriebliche Krankenzusatzversicherung an, 14 Prozent locken mit Inflationsausgleichsprämien und etwas mehr als zwölf Prozent bieten einen ÖPNV-Zuschuss an. Eine Vier-Tage-Woche ist nur bei knapp sechs Prozent der Unternehmen ein Thema zur Mitarbeiter:innenbindung. Eine untergeordnete Rolle mit jeweils weniger als zwei Prozent spielen Angebote zur Workation oder Sabbaticals. „Welche Art der Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnenbindung ein Unternehmen auch anbietet, ein entscheidender Faktor für die Beschäftigten und die Firma bleibt ein fairer und respektvoller Umgang miteinander“, sagt Frank Liebold.

Schreckgespenst Automatisierung verliert seinen Schrecken

Die weitläufige Einschätzung, dass Automatisierung eine wichtige Rolle bei der Kompensation von unbesetzten Stellen spielt und Menschen mehr und mehr durch Maschinen ersetzt werden, scheint angesichts der Umfrageergebnisse unbedeutend zu sein. Mehr als 51 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Automatisierung keine oder nur eine geringe Rolle beim Ausgleich unbesetzter Positionen spielt. Für 30 Prozent hat Automatisierung bei der Neubesetzung von offenen Stellen eine mittlere Bedeutung. Nur bei insgesamt 18 Prozent der Unternehmen nimmt die Automatisierung bei der Bewältigung von Vakanzen eine eher große bis sehr große Rolle ein.

Für die im Mai und Juni dieses Jahres durchgeführte Umfrage wurden mehr als 330 Unternehmen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT/Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport befragt. Die Jahresumsatzspanne der befragten Unternehmen reicht von unter fünf Millionen bis über einer Milliarde Euro. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei den befragten Unternehmen zwischen unter 100 und mehr als 1.500.

  • Atradius-Umfrage: Mehrzahl der Unternehmen stemmt sich mit gezielten Maßnahmen gegen Wissensverlust 
  • Jede fünfte Firma allerdings ohne systematische Strategie zur Sicherung der Kenntnisse ihrer Beschäftigten  
     

Pressekontakt

Ansprechpartner:innen für Medienschaffende

Kontakt

Download

Bilder und Videos

Weiter