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ai supply chain concentration
Pressemitteilung

KI wird zum Effizienztreiber in der deutschen Bauindustrie

Künstliche Intelligenz könnte die deutsche Bauindustrie in den kommenden Jahren deutlich effizienter machen und einzelne Prozesse grundlegend verändern.

Köln, 31. August 2026 – Künstliche Intelligenz könnte die deutsche Bauindustrie in den kommenden Jahren deutlich effizienter machen und einzelne Prozesse grundlegend verändern. Besonders groß ist das Potenzial aus Sicht des internationalen Kreditversicherers Atradius in einer Branche, die bislang zu den am wenigsten digitalisierten Wirtschaftssektoren zählt. „KI baut kein Haus, noch nicht, aber in manchen Bereichen liegt sie deutlich über der menschlichen Leistungsfähigkeit“, sagt David Engelhardt, Manager Risk Services beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Für Bauunternehmen könnte die Technologie damit gerade in einem angespannten Marktumfeld zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor werden.

Der größte Hebel liegt nach Einschätzung von Atradius zunächst dort, wo Bauprozesse besonders daten- und dokumentenintensiv sind: in Planung, Kalkulation, Ausschreibung und Kontrolle. „Der potenzielle Hebel für KI-Anwendungen dürfte in der Bauwirtschaft größer sein als in vielen anderen Sektoren“, sagt Engelhardt. Bereits heute kann Künstliche Intelligenz Entwurfsvarianten und Visualisierungen in kurzer Zeit erstellen und hunderte Konzepte anhand von Vorgaben wie Baurecht, Bauvolumen oder Energieeffizienz prüfen. 

Auch im administrativen Teil der Bauwirtschaft könnte KI deutliche Effizienzgewinne ermöglichen. Viele Prozesse beruhen auf Text, Daten und Dokumentation: Leistungsverzeichnisse, Angebote, Nachträge, Rechnungsprüfung und Bauakten müssen erstellt, geprüft und laufend aktualisiert werden. KI-gestützte Anwendungen können hier etwa Kalkulationen unterstützen, Rechnungen automatisiert prüfen oder Baustellen per Foto- und Sensordaten dokumentieren. Drohnen, Kameras und Sensoren liefern zudem immer mehr Daten, die KI für Fortschrittskontrolle, Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit auswerten kann.

Von Effizienzgewinnen zum strukturellen Umbruch

Über kurzfristige Effizienzgewinne hinaus könnte KI die Bauwirtschaft auch strukturell verändern. Bau-Roboter könnten künftig einfache Tätigkeiten übernehmen und helfen, den Fachkräftemangel abzufedern. KI-Agenten könnten Abläufe zwischen Büro und Baustelle koordinieren – von der Angebotserstellung über die Terminplanung bis zur Abstimmung mit Subunternehmen. Digitale Zwillinge könnten Risiken wie Witterungseinflüsse, Lieferverzögerungen oder Kostenüberschreitungen früher sichtbar machen. „Der Engpass liegt weniger in der Technologie als vielmehr bei Daten, Kompetenz und Regulierung“, sagt Engelhardt. „Die aktuellen Effizienzgewinne sind bereits Gegenwart. Der strukturelle Umbruch dürfte in den nächsten fünf Jahren an Dynamik gewinnen.“

Branche stabilisiert sich, Risiken bleiben hoch

Diese technologische Perspektive trifft auf eine Branche, die sich nach mehreren schwierigen Jahren zwar stabilisiert, aber weiterhin unter Druck steht. Inflation, Fachkräftemangel, hohe Materialkosten und Kreditrisiken belasten den Sektor. Gleichzeitig gibt es kleine, positive Signale: Im Wohnungsbau ist die Zahl an Baugenehmigungen leicht angestiegen. Im Juni 2026 genehmigten die Behörden den Bau von 21.600 Wohnungen, 13,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 126.300 Wohnungen genehmigt. „Insgesamt ist ein Aufwärtstrend zu erkennen, dabei muss man allerdings bedenken, dass wir von einem sehr niedrigen Bauvolumen in den Vorjahren kommen“, so Engelhardt. „Von der ursprünglich durch die Bundesregierung avisierten Zahl an Fertigstellungen sind wir noch ein gutes Stück entfernt.“ Stützende Impulse für die Branche kommen aus dem Tiefbau, etwa durch Schieneninfrastruktur, Energie- und Wärmenetze, Leitungstiefbau, Rechenzentren sowie Brücken- und sonstige Infrastrukturprojekte. Nur der Straßenbau entwickelt sich schwächer; das Infrastruktur-Sondervermögen hat nach Einschätzung der Branchenverbände bislang noch keinen breiten Effekt in den Auftragsbüchern ausgelöst.

Die Insolvenzsituation jedoch bleibt angespannt. Zwischen Januar und Mai 2026 wurden in Deutschland 735 Insolvenzen in der Bauwirtschaft gezählt, nach 744 Fällen im Vorjahreszeitraum. „Wir sehen allerdings bei den Einzelinsolvenzen deutlich höhere Schadenssummen, was darauf hindeutet, dass zunehmend größere Unternehmen betroffen sind“, sagt Engelhardt. Auf ein weiterhin angespanntes Zahlungsverhalten verweist zudem der Anstieg der Nichtzahlungsmeldungen bei Atradius: Sie lagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,2 Prozent höher.

Für 2026 rechnet Atradius insgesamt mit einem Rückgang der deutschen Bauproduktion um 1,6 Prozent. Damit dürfte das Minus jedoch geringer ausfallen als in den beiden Vorjahren, in denen die Bauproduktion um 3,7 Prozent im Jahr 2024 und um 3,4 Prozent im Jahr 2025 zurückging. Belastend wirken weiterhin das schwache Wirtschaftswachstum, hohe Energiepreise, komplexe Genehmigungsverfahren, bürokratische Hürden, gestiegene Baustoffpreise und der anhaltende Fachkräftemangel.

Ab 2027 erwartet Atradius jedoch eine spürbare Erholung. Der durch das Sondervermögen der Bundesregierung geschaffene finanzielle Spielraum dürfte allmählich Wirkung zeigen. „Wir gehen davon aus, dass sich die deutsche Bauproduktion in den Jahren 2027 und 2028 um jährlich fünf Prozent erholen wird, mit robusten Wachstumsraten in allen Teilbereichen“, sagt Engelhardt.

  • Atradius sieht KI als Schlüsseltechnologie für mehr Effizienz in der Bauwirtschaft
  • Größte Hebel liegen bei Planung, Kalkulation, Ausschreibung und Baustellenkontrolle

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